Zuletzt aktualisiert: 10. Juni 2026
Sauerkraut: Gesundes Superfood oder überschätzter Klassiker?
Sauerkraut stand schon bei Oma auf dem Tisch, lange bevor wir das Wort Superfood überhaupt kannten. In Ratgebern und Zeitschriften als Heilmittel für Darmgesundheit und probiotische Wirkung angepriesen, erlebt es einen neuen Aufschwung.
Dabei ist Sauerkraut nicht gleich Sauerkraut. Im Supermarkt findest du zwei ähnlich scheinende Produkte mit völlig unterschiedlicher Wirkung. In diesem Artikel zeigen wir dir, was es damit auf sich hat, wir prüfen die Gesundheitsversprechen, erklären wie du die Produkte unterscheidest und welches für deine Belange sinnvoll ist.

Das Wichtigste in Kürze
- Sauerkraut ist nichts anderes als fermentierter Weißkohl
- Es gibt frisches Sauerkraut aus dem Kühlregal und pasteurisiertes Sauerkraut aus Glas oder Dose.
- Beide Varianten haben Ballaststoffe, viel Vitamin C, Mineral- und sekundäre Pflanzenstoffe
- Frisches Sauerkraut besitzt lebende Milchsäurebakterien denen eine positive Wirkung auf das Darmmikrobiom zugesprochen wird
- Bei Reizdarm oder Histaminintoleranz kann Sauerkraut Beschwerden verursachen.
Warum wurde Sauerkraut erfunden und fermentiert?
Sauerkraut ist ein fermentiertes Lebensmittel. Fermentation ist die Umwandlung von Stoffen durch Mikroorganismen wie Bakterien oder Hefen.
Sie ist eine der ältesten Methoden, um Nahrung haltbar zu machen. Lange vor dem Kühlschrank brauchten Menschen einen Weg, die Ernte über den Winter zu bringen. Die Milchsäuregärung war die Lösung.
- Der Kohl wurde monatelang haltbar.
- Viele Nährstoffe blieben erhalten.
- Der Geschmack wurde intensiver.
- Krankheitserregende Keime wurden unterdrückt.
- Das Produkt war oft besser bekömmlich und verträglich als roher Kohl.
Im Herbst gab es große Kohlernten, im Winter wenig frisches Gemüse. Über Jahrhunderte war es Wintervorrat und Vitaminquelle.
Sauerkraut Herstellung: So entsteht das Kraut Schritt für Schritt
Mit der Industrialisierung entstanden zwei Varianten. Die frische blieb, wie sie war. Die zweite wurde durch Erhitzen noch länger haltbar gemacht, ein Verfahren, das auf Louis Pasteur zurückgeht. Bis zu diesem Schritt verlaufen beide Prozesse identisch:
1. Vorbereitung Der Weißkohl wird geerntet und von äußeren, beschädigten oder verschmutzten Blättern befreit. In feine Streifen gehobelt, vergrößert sich die Oberfläche, damit das Salz später gleichmäßig wirken kann.
2. Salzen und Verdichten Dem Kohl werden ca. 1,5 bis 2,5 % Salz zugesetzt. Beim Stampfen oder Pressen tritt Zellsaft aus und bildet zusammen mit dem Salz eine natürliche Lake. Der Kohl bleibt vollständig unter dieser Lake. So gelangt kaum Sauerstoff an das Material, und die gewünschten Milchsäurebakterien können sich durchsetzen.
3. Milchsäuregärung Die natürlich auf dem Kohl vorhandenen Milchsäurebakterien wandeln den Zucker im Kohl in Milchsäure um. Dadurch entsteht der typische säuerliche Geschmack. Der pH-Wert sinkt, Verderbniserreger und unerwünschte Keime können sich nicht mehr vermehren.
4. Reifung In den folgenden Wochen entwickeln sich Geschmack, Geruch und Konsistenz weiter. Die typischen Sauerkraut-Aromen entstehen.
5. Abfüllung Nach mehreren Wochen ist die Fermentation weitgehend abgeschlossen. Ab hier trennen sich die Wege: Frisches Sauerkraut wird gekühlt abgefüllt, pasteurisiertes durchläuft die Hitzebehandlung.
Sauerkraut Nährwerte pro 100 Gramm
Die folgende Tabelle zeigt, welche Nährstoffe Sauerkraut konkret enthält und welche Werte sich durch die Fermentation gegenüber rohem Weißkohl verändern. In der Tabelle beschränken wir uns auf pasteurisiertes Sauerkraut. Frisches Sauerkraut hat leicht höhere Werte bei Vitamin C und Folat, weil keine Pasteurisierung erfolgt. Die übrigen Werte sind praktisch identisch.
| Nährwert pro 100 g | Weißkohl, roh | Sauerkraut |
|---|---|---|
| Kalorien | 25 kcal | 19 kcal |
| Eiweiß | 1,3 g | 0,9 g |
| Fett | 0,1 g | 0,1 g |
| Kohlenhydrate | 5,8 g | 4,3 g |
| davon Zucker | 3,2 g | 1,8 g |
| Ballaststoffe | 2,5 g | 2,9 g |
| Vitamin C | 37 mg | 15 mg |
| Vitamin K | 76 µg | 13 µg |
| Folat | 43 µg | 24 µg |
| Kalium | 170 mg | 170 mg |
| Calcium | 40 mg | 30 mg |
| Magnesium | 12 mg | 13 mg |
| Eisen | 0,5 mg | 1,5 mg |
| Natrium | 18 mg | 660 mg |
Quelle: USDA FoodData Central. Die Sauerkraut-Spalte basiert auf pasteurisierter Handelsware.
Im direkten Vergleich zeigen sich die Spuren der Fermentation. Der Zuckergehalt sinkt, weil die Milchsäurebakterien ihn verbrauchen. Vitamin C, Vitamin K und Folat liegen niedriger, hier wirken Gärung und Pasteurisierung. Der Natriumgehalt steigt drastisch durch das zugesetzte Salz. Ballaststoffe und Mineralstoffe bleiben weitgehend stabil.
Die lebenden Milchsäurebakterien tauchen in der Tabelle nicht auf, weil sie keine klassischen Nährstoffe sind. Den eigentlichen Unterschied zwischen frisch und pasteurisiert siehst du in einer Nährwertangabe nicht.
Gesundheitliche Vorteile von Sauerkraut
Beide Sauerkraut-Varianten haben eine Reihe gesundheitlicher Vorteile gemeinsam. Die Unterschiede zwischen frisch und pasteurisiert folgen im nächsten Abschnitt.
Ballaststoffe Weißkohl enthält von Natur aus Ballaststoffe. Die Fermentation verändert einen Teil dieser Strukturen, zerstört sie aber nicht. Pro 100 g bleiben ca. 2 bis 3 g, vergleichbar mit 100 g Karotten.
Vitamin C Sauerkraut enthält Vitamin C. Pro 100 g sind es ca. 15 mg. Eine Portion von 150 g deckt damit rund 20 % des Tagesbedarfs eines Erwachsenen. Der Vitamin-C-Gehalt machte Sauerkraut historisch zur Bordverpflegung gegen Skorbut, lange bevor frisches Obst auf Schiffen lagerbar war.
B-Vitamine Während der Fermentation können sich B-Vitamine wie Folat und Riboflavin bilden.
Mineralstoffe Kalium, Calcium und Magnesium aus dem Weißkohl bleiben erhalten.
Sekundäre Pflanzenstoffe Glucosinolate und Polyphenole aus dem Weißkohl überstehen die Fermentation weitgehend.
Milchsäure und Fermentationsprodukte Während der Fermentation entstehen Milchsäure und weitere Stoffwechselprodukte. Sie geben dem Kraut seinen typischen säuerlichen Geschmack.
Kalorienarm Sauerkraut liefert wenig Energie bei viel Volumen, ca. 19 kcal pro 100 g. Es kann gut sättigen.
Frisches Sauerkraut aus dem Kühlregal
Frisches Sauerkraut wird nach der Fermentation direkt abgefüllt und gelangt ohne Hitzebehandlung in den Handel. Es wird durchgehend gekühlt gelagert und transportiert. Im Supermarkt findest du es im Kühlregal.
Vorteile
- Lebende Milchsäurebakterien: Da keine Pasteurisierung erfolgt, bleiben die Mikroorganismen aktiv. Ein Teil von ihnen kann die Magenpassage überstehen und den Darm lebend erreichen.
- Höherer Vitamin-C-Gehalt: Vitamin C ist hitzeempfindlich. Ohne die zweite Hitze nach der Fermentation bleibt mehr davon erhalten.
- Frischeres, komplexeres Aroma: Die feinen Säurenoten und Fermentationsaromen sind ausgeprägter.
- Festere Konsistenz: Die Kohlstreifen bleiben knackiger, weil die Struktur nicht durch Erhitzen verändert wird.
Nachteile
- Kühlpflicht: Das Produkt muss von der Herstellung bis zum Verzehr durchgehend gekühlt bleiben.
- Kurze Haltbarkeit: Nach dem Öffnen ist es innerhalb weniger Tage zu verbrauchen.
- Höherer Preis: Deutlich teurer als die pasteurisierte Variante und in vielen Märkten nicht im Standardsortiment.
- Veränderung während der Lagerung: Geschmack und Konsistenz entwickeln sich auch nach dem Kauf weiter.
Ob die lebenden Bakterien im Darm tatsächlich etwas bewirken, klären wir im nächsten Abschnitt.
Pasteurisiertes Sauerkraut aus Glas oder Dose
Pasteurisiertes Sauerkraut durchläuft dieselbe Fermentation wie das frische. Im Anschluss wird es abgefüllt, luftdicht verschlossen und auf ca. 70 bis 90 °C erhitzt. Das Verfahren geht auf Louis Pasteur zurück und stoppt Mikroorganismen und Enzyme. Damit endet die Fermentation, und das Produkt wird lange haltbar.
Vorteile
- Lange Haltbarkeit: Ungeöffnet viele Monate lagerfähig.
- Keine Kühlung vor dem Öffnen: Lagerung im Vorratsschrank reicht aus.
- Gleichbleibende Qualität: Geschmack, Säuregrad und Konsistenz verändern sich während der Lagerung langsamer als bei frischem Kraut.
- Günstig und breit verfügbar: In nahezu jedem Supermarkt erhältlich, deutlich preiswerter als die frische Variante.
- Praktisch für die Vorratshaltung: Eignet sich als Standardvorrat, ohne Kühlplatz zu blockieren.
Nachteile
- Keine lebenden Milchsäurebakterien: Die Hitze tötet die Kulturen ab. Wer Sauerkraut wegen der lebenden Kulturen kauft, bekommt sie hier nicht.
- Verlust hitzeempfindlicher Vitamine: Ein Teil des Vitamin C geht durch die Pasteurisierung verloren.
Eine deutsche Studie stellt die einfache Logik „lebendig gleich gut, erhitzt gleich schlecht“ infrage. 87 gesunde Teilnehmer aßen vier Wochen lang täglich frisches oder pasteurisiertes Sauerkraut. Beide Varianten veränderten einzelne Bakterienarten im Darm. Die deutlicheren Veränderungen traten in der pasteurisierten Gruppe auf. Nur dort stiegen die kurzkettigen Fettsäuren im Blut, ein Marker für eine aktive Darmflora.
Das heißt nicht, dass pasteurisiertes Sauerkraut gesünder ist. Die Studie war klein und kurz, und die Darmflora gesunder Menschen reagiert auf solche kurzen Phasen ohnehin stabil. Der Befund zeigt aber: Die Trennung in lebendig und tot greift zu kurz.
| Merkmal | Frisch (Kühlregal) | Pasteurisiert (Glas, Dose) |
|---|---|---|
| Lebende Bakterien | ja | nein |
| Haltbarkeit | kurz, gekühlt | lang, ungekühlt |
| Vitamin C | höher | reduziert |
| Ballaststoffe | ja | ja |
| Fermentationsprodukte | ja | ja |
| Preis | höher | günstig |
Frisches Sauerkraut: Einfluss auf die Darmgesundheit

Nicht jede lebende Bakterie wird automatisch zum Probiotikum. Magensäure, Gallensäuren und die bestehende Darmflora entscheiden mit über die tatsächliche Wirkung.
Wer frisches Sauerkraut isst, nimmt lebende Bakterien auf. Damit daraus eine messbare Wirkung im Darm wird, müssen sie mehrere Stationen überstehen. Jede davon kostet einen Teil der Population. Die simple Gleichung „lebendig gleich wirksam“ geht nicht auf.
Was sind Probiotika?
Die WHO und FAO definieren Probiotika als lebende Mikroorganismen, die in ausreichender Menge eine gesundheitliche Wirkung auf den Wirt entfalten. In dieser Definition stecken zwei wichtige Bedingungen: Die Mikroorganismen müssen lebend im Verdauungstrakt ankommen, und sie müssen in einer Menge vorhanden sein, die überhaupt eine Wirkung entfalten kann.
Auf Verpackungen klingt das oft einfacher. Dort ist von „Darmgesundheit“, „Stärkung des Immunsystems“ oder „natürlichen Probiotika“ die Rede. Wie viele lebende Bakterien tatsächlich im Produkt enthalten sind und wie viele davon den Verdauungstrakt überstehen, bleibt offen.
Fermentiert bedeutet nicht automatisch probiotisch
Auch der Begriff „fermentiert“ ist nicht automatisch mit vielen lebenden Bakterien gleichzusetzen. Fermentation beschreibt zunächst einen Herstellungsprozess. Welche Mikroorganismen beteiligt sind und wie viele davon später im Lebensmittel verbleiben, kann sehr unterschiedlich sein.
Beim Sauerkraut übernehmen die natürlich auf dem Kohl vorkommenden Milchsäurebakterien die Fermentation. Verschiedene Bakterienstämme wirken nacheinander und sorgen für eine vergleichsweise hohe mikrobielle Vielfalt.
Anders läuft die Herstellung vieler fermentierter Milchprodukte ab. Bei Skyr oder Joghurt wird die Milch zunächst pasteurisiert, wodurch die ursprünglich vorhandenen Mikroorganismen weitgehend abgetötet werden. Anschließend setzen Hersteller gezielt ausgewählte Bakterienkulturen zu, die die Fermentation steuern. Das Ergebnis ist zwar ebenfalls ein fermentiertes Lebensmittel, die Vielfalt der beteiligten Mikroorganismen ist jedoch deutlich geringer als bei traditionell fermentiertem Sauerkraut.
Milchsäurebakterien und die Magensäure
Im Magen herrscht ein pH-Wert von 1 bis 3. Diese Säurewerte sind für die meisten Bakterien tödlich. Milchsäurebakterien aus Sauerkraut sind säuretolerant, weil sie in einem sauren Milieu wachsen. Ein Teil von ihnen überlebt die Magenpassage und erreicht den Dünndarm. Wie groß dieser Teil ist, hängt davon ab, ob das Sauerkraut allein oder zu einer Mahlzeit gegessen wird. Eine volle Mahlzeit puffert die Magensäure und erhöht die Überlebenschance.
Galle und Enzyme im Dünndarm
Im Dünndarm warten Gallensäuren und Enzyme. Beide haben antimikrobielle Wirkung. Ein weiterer Teil der Bakterien geht hier zugrunde. Was diese Stationen übersteht, kommt im Dickdarm an, dem eigentlichen Wirkungsort.
Ansiedlung der Bakterien im Darm
Im Dickdarm leben bereits hunderte Bakterienarten. Sie haben Nahrung und Platz unter sich aufgeteilt, neu ankommende Bakterien müssen sich gegen die etablierte Gemeinschaft durchsetzen. Eine dauerhafte Ansiedlung gelingt nur selten.
Eine Studie am Weizmann-Institut hat gezeigt, dass dieser Effekt von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich ausfällt. Bei einem Teil der Probanden konnten sich zugeführte Probiotika kurzzeitig im Darm halten, bei anderen verschwanden sie umgehend wieder. Was das für dich heißt, klingt zunächst unbefriedigend: Ob Sauerkraut bei dir spürbar etwas verändert, ist individuell und lässt sich nur durch einen Selbstversuch herausfinden.
Wann probiotische Bakterien tatsächlich wirken
Selbst wenn Bakterien ankommen und sich kurzzeitig halten, entsteht damit noch keine Wirkung. Die Bakterien müssen Stoffwechselprodukte bilden, das Immunsystem beeinflussen oder andere Bakterien verdrängen. Welche Effekte entstehen und wie stark, hängt erneut von der einzelnen Person ab.
Fermentierte Lebensmittel: Was die Forschung zeigt
Bei aller Skepsis gibt es ernstzunehmende Hinweise auf einen Nutzen. In einer Studie der Stanford-Universität aßen 36 gesunde Erwachsene zehn Wochen lang fermentierte Lebensmittel wie Joghurt, Kefir, Kimchi und fermentiertes Gemüse. Ihre Darmflora wurde vielfältiger, ihre Entzündungsmarker sanken. Die Studie testete fermentierte Kost als Gruppe, nicht Sauerkraut allein. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass Sauerkraut für sich denselben Effekt erzeugt.
In einer deutschen Sauerkraut-Studie zeigte sich sogar, dass das pasteurisierte Kraut bei einigen Markern stärkere Veränderungen auslöste als das frische. Das spricht dafür, dass nicht nur die lebenden Bakterien zählen, sondern auch die Stoffe, die bei der Fermentation entstehen: Ballaststoffe, organische Säuren und sogenannte Postbiotika.
Sauerkraut und Darm: das Fazit
Wenn du den Effekt fermentierter Lebensmittel auf deinen Darm testen willst, plane einen längeren Zeitraum ein. In der Stanford-Studie zeigten sich messbare Veränderungen erst nach mehreren Wochen täglicher Aufnahme. Kombiniere dabei verschiedene fermentierte Produkte. Sauerkraut, Kefir, Joghurt, Kimchi oder Miso bringen jeweils andere Bakterienstämme mit. Die Forschung verbindet eine vielfältige Darmflora mit positiven Gesundheitseffekten.
Der Fokus sollte deshalb weniger auf einem einzelnen „Superfood“ liegen als auf einer langfristig vielfältigen Ernährung.
Sauerkraut: Wann es nicht gut verträglich ist
Sauerkraut ist nicht für jeden eine gute Idee. In den folgenden Fällen lohnt ein genauerer Blick.
Reizdarm und FODMAP-empfindliche Verdauung
Hier liegt der größte Irrtum. Weißkohl enthält Fructane, eine Untergruppe der FODMAPs. Sie werden im Dünndarm kaum aufgenommen, gelangen in den Dickdarm und werden dort von Bakterien fermentiert. Bei gesunden Menschen ist das unproblematisch. Bei Reizdarm löst dieser Vorgang Blähungen, Krämpfe und Stuhlveränderungen aus. Sauerkraut steht in Low-FODMAP-Ernährungsplänen typischerweise auf der Vermeidungsliste. Wer den eigenen Darm „mit Sauerkraut fixen“ will, kann das Gegenteil erreichen.
Histaminintoleranz
Fermentierte Lebensmittel sind histaminreich, weil Bakterien während der Gärung Histamin produzieren. Frisches Sauerkraut hat in der Regel höhere Werte als pasteurisiertes. Bei Histaminintoleranz kann das Kopfschmerzen, Hautreaktionen oder Verdauungsbeschwerden auslösen.
Bluthochdruck und Salzempfindlichkeit
100 g Sauerkraut enthalten ca. 660 mg Natrium, das entspricht ca. 1,6 g Salz. Damit deckt eine Portion einen erheblichen Anteil der Tagesempfehlung der DGE von 6 g. Bei Bluthochdruck oder ausgeprägter Salzempfindlichkeit ist das relevant.
Blutverdünner und Vitamin K
Sauerkraut enthält Vitamin K. Wer Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon oder Warfarin einnimmt, sollte die Vitamin-K-Zufuhr stabil halten. Plötzliche Mengenänderungen können den INR-Wert verschieben. Eine größere Umstellung sollte mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.
Schwangerschaft
In der Schwangerschaft gilt eine einfache Regel: Pasteurisierte Ware aus Glas oder Dose ist unbedenklich. Frisches, unpasteurisiertes Sauerkraut wird sicherheitshalber gemieden. Hintergrund ist ein theoretisches Listerien-Risiko. Die saure Fermentation hält Listerien gut in Schach, offizielle Empfehlungen in Deutschland raten in der Schwangerschaft trotzdem zur pasteurisierten Variante.
Schilddrüse
Weißkohl enthält Glucosinolate. Daraus können Stoffe entstehen, die in größeren Mengen die Jodaufnahme der Schilddrüse hemmen. Fermentation und Erhitzen reduzieren den Gehalt dieser Stoffe deutlich. In üblichen Portionsgrößen ist Sauerkraut für eine gesunde Schilddrüse unbedenklich. Bei Hashimoto oder Schilddrüsenunterfunktion gibt es kein Verbot. Wer große Mengen täglich essen will, sollte das mit dem behandelnden Arzt besprechen.
Frisches Sauerkraut erkennen: Worauf du beim Kauf achten musst

Im Supermarkt liegen pasteurisiertes und frisches Sauerkraut in verschiedenen Regalen. Diese vier Punkte helfen dir, die frische Variante zu finden.
Standort: Kühlregal statt Konservenregal Frisches Sauerkraut muss durchgehend gekühlt sein. Findest du ein Sauerkraut ungekühlt im Trockenregal, ist es pasteurisiert.
Hinweise auf der Verpackung Achte auf Begriffe wie „nicht pasteurisiert“, „roh“, „mild gesäuert“ oder „mit lebenden Kulturen“. Hersteller, die ihre lebenden Kulturen erhalten haben, bewerben das deutlich sichtbar.
Keine Essigzutat Wirf einen Blick in die Zutatenliste. Echtes Sauerkraut wird durch Milchsäuregärung sauer, nicht durch zugesetzten Essig. Steht „Branntweinessig“ oder „Speiseessig“ in der Liste, hast du ein gesäuertes Produkt, das nie fermentiert wurde oder dessen Säure nicht aus der Gärung stammt.
Gewölbter Deckel als Lebenszeichen Frisches Sauerkraut produziert weiter geringe Mengen Kohlendioxid, weil die Milchsäurebakterien aktiv bleiben. Ein leicht gewölbter Deckel oder ein zischendes Geräusch beim Öffnen ist deshalb ein gutes Zeichen. Bei pasteurisiertem Sauerkraut bleibt der Deckel fest, weil die Hitze die Mikroorganismen abgetötet hat und kein Gas mehr entsteht.
Wichtig zur Abgrenzung: Stark aufgeblähte Deckel, dumpfer Geruch oder Schimmel sind keine Zeichen für aktive Kulturen, sondern für Verderb. Den Unterschied erkennst du am Geruch — frisches, lebendiges Kraut riecht sauer-aromatisch, nicht faulig.
Haltbarkeit als Indiz Eine sehr lange ungekühlte Haltbarkeit spricht gegen lebende Kulturen. Wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum viele Monate in der Zukunft liegt und keine Kühlung vorgeschrieben ist, ist das Produkt pasteurisiert.
Häufige Fragen
Macht Sauerkraut Blähungen?
Bei vielen Menschen ja, vor allem in den ersten Wochen. Sauerkraut enthält Ballaststoffe und Fructane, die im Dickdarm von Bakterien zersetzt werden. Dabei entstehen Gase. Mit der Zeit gewöhnt sich der Darm an die größere Ballaststoffmenge, und die Beschwerden lassen nach. Bei Reizdarm können Blähungen dauerhaft auftreten. In diesem Fall ist die Verträglichkeit individuell zu prüfen.
Warum hält frisches Sauerkraut so kurz, früher überstand es ganze Seereisen?
Die Fermentation hat sich nicht geändert, die Bedingungen drumherum schon. Im Holzfass lagerte Sauerkraut kühl, vollständig unter der Lake und ohne Luftkontakt. So hielt es ganze Winter und überstand lange Seereisen. Heute kaufst du das Kraut in kleinen Gebinden mit wenig Lake, und nach dem Öffnen kommt es ständig mit Luft und Löffeln in Berührung. Säuregrad, Geschmack und Konsistenz verändern sich dadurch schneller.
Kann ich Sauerkraut nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum noch essen?
Wahrscheinlich ja. Das MHD ist eine Qualitätsgarantie des Herstellers, kein Verfallsdatum. Ungeöffnetes, gekühltes frisches Sauerkraut ist auch nach Ablauf des MHD noch genießbar. Verdorben ist es erst, wenn es schimmelt, ungewöhnlich riecht oder schleimig wird. Verlass dich auf deine Sinne: Geruch, Aussehen und ein vorsichtiger Geschmackstest geben dir verlässlichere Hinweise als das Datum auf dem Etikett.
Ist Sauerkrautsaft gesünder als Sauerkraut?
Nein, eher andersrum. Sauerkrautsaft enthält dieselben Fermentationsprodukte und in der frischen Variante auch lebende Bakterien, hat aber durch die Verarbeitung kaum noch Ballaststoffe. Der Saft wird traditionell als Verdauungsdrink in kleinen Mengen getrunken. Wer auf den Vitamin-C- und Ballaststoffanteil nicht verzichten will, isst das Kraut selbst.
Kann ich Sauerkraut selbst machen?
Ja, mit Weißkohl, Salz und Geduld. Du hobelst den Kohl fein, salzt ihn mit ca. 2 % seines Gewichts, stampfst ihn bis zur Lakebildung und füllst ihn in ein sauberes Gefäß. Wichtig ist, dass der Kohl vollständig unter der Lake bleibt, damit kein Schimmel entsteht. Nach zwei bis vier Wochen bei kühler Raumtemperatur ist das Kraut fertig.
Quellen
- Fermentierte Lebensmittel und Darmflora Bestätigt, dass eine Ernährung mit fermentierten Lebensmitteln über mehrere Wochen die mikrobielle Vielfalt im Darm erhöht und Entzündungsmarker senkt. Wastyk et al., Cell 2021
- Frisches vs. pasteurisiertes Sauerkraut im Vergleich Crossover-Studie mit 87 Teilnehmern: Beide Varianten verändern die Darmflora, mit deutlicheren Effekten in der pasteurisierten Gruppe und einem Anstieg kurzkettiger Fettsäuren im Blut. Microbiome 2024
- Probiotische Besiedlung des Darms Zeigt, dass die Ansiedlung von Probiotika im Darm individuell stark variiert und Stuhltests den eigentlichen Zustand der Darmschleimhaut nicht abbilden. Zmora et al., Cell 2018
- Definition von Probiotika Internationale Konsensdefinition: Probiotika sind lebende Mikroorganismen, die in ausreichender Menge eine gesundheitliche Wirkung auf den Wirt entfalten. FAO/WHO Joint Expert Consultation 2001
- Nährwerte von Sauerkraut und Weißkohl Datenbasis für die Nährwertangaben pro 100 Gramm und den Vergleich zwischen pasteurisiertem Sauerkraut und rohem Weißkohl. USDA FoodData Central
- Salzaufnahme und Tagesempfehlung Empfiehlt eine maximale Salzzufuhr von 6 Gramm pro Tag und liefert die Einordnung für den Natriumgehalt von Sauerkraut. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)
