Protein Pudding im Check: Wie gesund ist er wirklich?

Eiweiß steht seit einigen Jahren stark im Fokus der Ernährung. Es hilft beim Abnehmen, unterstützt die Muskeln und sorgt für einen stabileren Blutzucker. Die Lebensmittelindustrie ist früh auf diesen Trend aufgesprungen und hat rund um das Thema Eiweiß eine ganze Produktwelt mit entsprechenden Gesundheitsversprechen aufgebaut.
Protein Pudding gehört dabei zu den bekanntesten Beispielen. Laut Werbung verbindet er Genuss und gesunde Ernährung.
Doch stimmt das wirklich? Ist Protein Pudding gesund? Ein Blick auf Zutaten, Nährwerte und Verarbeitung zeigt, wie sinnvoll Protein Pudding als Lebensmittel wirklich ist – und ob es bessere Alternativen gibt.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Becher Proteinpudding enthält viel Eiweiß bei relativ wenigen Kalorien und hat günstigere Nährwerte als ein herkömmlicher Schokopudding aus dem Kühlregal
- Gleichzeitig zählt er zu den hochverarbeiteten Lebensmitteln und enthält Süßstoffe, Verdickungsmittel und weitere Zusatzstoffe, die bei empfindlichem Darm Beschwerden auslösen können
- Der Nutri-Score vergleicht nur Nährwerte innerhalb einer Produktgruppe. Verarbeitungsgrad, Zusatzstoffe und der tatsächliche gesundheitliche Nutzen eines Produkts werden dabei nicht berücksichtigt.
- Als gelegentlicher Snack ist er vertretbar, als regelmäßige Eiweißquelle gibt es deutlich bessere Optionen
Welche Zutaten und Nährwerte hat Protein Pudding?
Um Protein Pudding besser einordnen zu können, schauen wir uns ein konkretes Produkt an. Als Beispiel dient der REWE Beste Wahl High Protein Pudding Schoko. Die Nährwerte und Zutaten sind typisch für viele Protein-Puddings im Supermarkt.
Nährwerte
| Pro 100 g | Pro Becher (200 g) |
|---|---|
| 76 kcal | 152 kcal |
| Fett: 1,5 g | Fett: 3,0 g |
| Kohlenhydrate: 5,1 g | Kohlenhydrate: 10,2 g |
| davon Zucker: 4,2 g | davon Zucker: 8,4 g |
| Eiweiß: 10 g | Eiweiß: 20 g |
| Salz: 0,18 g | Salz: 0,36 g |
Die Nährwerte wirken auf den ersten Blick sehr gut. Ein Becher hat 20 Gramm Eiweiß bei relativ wenig Kalorien, wenig Fett und einem moderaten Kohlenhydratanteil. Zum Vergleich: Eine Portion klassischer Schokopudding (200 Gramm) hat ungefähr doppelt so viele Kalorien, aber nur rund 7 Gramm Eiweiß.
Welche Zutaten hat Protein Pudding?
Magermilch
Milcheiweiß (ca. 8,5–8,6 %)
Sahne
Kakaopulver (2 %)
Modifizierte Stärke
Verdickungsmittel (Carrageen, Natrium-Carboxymethylcellulose)
Natürliches Aroma
Süßungsmittel (Acesulfam K, Sucralose)
Laktase
Warum ist Salz im Protein Pudding?
Salz steht bei diesem Pudding in der Nährwerttabelle, nicht in der Zutatenliste. Das bedeutet, dass es nicht extra zugesetzt wurde, sondern bereits natürlicherweise in der Milch enthalten ist.
Auch süße Produkte enthalten oft kleine Mengen Salz. Salz verstärkt den süßen Geschmack und sorgt dafür, dass ein Produkt insgesamt intensiver schmeckt. Dadurch kann ein Produkt sehr süß wirken, ohne dass mehr Zucker oder Süßstoff enthalten sein muss.
In der Lebensmittelentwicklung wird die Kombination aus süß, fettig und salzig gezielt eingesetzt. In der Fachwelt spricht man vom sogenannten „Bliss Point“. Gemeint ist damit der Punkt, an dem ein Produkt geschmacklich so abgestimmt ist, dass viele Menschen dazu neigen, über das Hungergefühl hinaus zu essen.
Welches Eiweiß steckt in Protein Pudding?
Ein großer Teil des Eiweißes im Protein Pudding stammt aus zugesetztem Milcheiweiß. Milcheiweiß besteht zu etwa 80 % aus Casein und zu etwa 20 % aus Molkenprotein (Whey).
Casein wird langsamer verdaut und sorgt für eine längere Sättigung. Whey wird schneller verdaut und wird deshalb häufig in Proteinshakes verwendet.
Casein unterstützt die feste, cremige Konsistenz des Puddings. Gleichzeitig ist Milcheiweiß für den Hersteller günstiger als reines Whey und wird deshalb gerne als Zusatz verwendet.
Warum enthält dieser Proteinpudding modifizierte Stärke?
Normale Stärke wird aus Kartoffeln, Mais, Reis oder Weizen gewonnen. Die Pflanzen werden zerkleinert, die Stärke mit Wasser herausgelöst und anschließend getrocknet.
Modifizierte Stärke wird zusätzlich technisch verändert, zum Beispiel durch Erhitzen, Enzyme, Säuren und mechanische Verfahren. Dadurch verändert sich die Struktur der Stärke. Sie kann Wasser besser binden und ihre Konsistenz bleibt auch bei Kühlung, Transport und längerer Lagerung stabil.
Verdickungsmittel im Proteinpudding: Carrageen und Carboxymethylcellulose
Verdickungsmittel sorgen dafür, dass sich Wasser, Fett und Eiweiß verbinden und der Pudding seine typische Konsistenz behält.
Carrageen (wird aus Rotalgen gewonnen) und Carboxymethylcellulose (wird aus pflanzlicher Zellulose hergestellt) werden im Körper nicht wie klassische Nährstoffe verdaut. Sie gelangen größtenteils unverändert in den Darm.
In Tierstudien und ersten Studien am Menschen zeigen sich Hinweise, dass Carrageen und Carboxymethylcellulose Entzündungsprozesse im Darm fördern und die Zusammensetzung der Darmflora verändern können.
Lebensmittelbehörden bewerten Carrageen und Carboxymethylcellulose in den zugelassenen Mengen weiterhin als sicher. Die festgelegten Grenzwerte liegen deutlich unter den Mengen, bei denen in Studien Probleme beobachtet wurden.
In der Praxis zeigt sich jedoch, dass Menschen mit empfindlichem Darm oder entzündlichen Darmerkrankungen auf solche Zusatzstoffe häufiger mit Blähungen, Durchfall oder Bauchschmerzen reagieren. Einige Ärzte empfehlen deshalb, Carrageen und Carboxymethylcellulose bei bestehenden Darmproblemen eher zu meiden.

Symbolbild: Darmzotten und Mikrobiom
Süßstoffe im Proteinpudding: Acesulfam K und Sucralose
Proteinpudding enthält meist wenig Zucker. Damit er trotzdem süß schmeckt, werden Süßstoffe verwendet. Im REWE Protein Pudding sind das Acesulfam K und Sucralose.
Geschmack
Süßstoffe sind um ein Vielfaches intensiver als Zucker. Produkte mit Süßstoffen haben deshalb oft einen sehr süßen Geschmack, obwohl sie wenig Zucker enthalten. Wer regelmäßig solche Produkte isst, gewöhnt sich an diese Süße. Quark oder Skyr schmecken dann vielen Menschen zu monoton und nicht mehr angenehm.
Darm
Bei Süßstoffen zeigt sich ein ähnliches Bild wie bei Verdickungsmitteln. Es gibt Hinweise aus Versuchen, dass einige Süßstoffe die Darmflora verändern können. Die zugelassenen Mengen gelten trotzdem als sicher. In der Praxis berichten aber einige Menschen über Verdauungsprobleme nach stark gesüßten Light-Produkten.
Hungergefühl
Außerdem wird untersucht, ob Süßstoffe das Hungergefühl beeinflussen können. Einige Studien zeigen, dass Süßstoffe bei manchen Menschen das Verlangen nach Süßem aufrechterhalten oder verstärken können. Andere Studien finden keinen klaren Zusammenhang.
Warum enthält Protein Pudding Laktase?
Laktase ist ein Enzym, das Milchzucker (Laktose) in Glukose und Galaktose spaltet. Menschen mit Laktoseintoleranz können Milchzucker nicht richtig verdauen, was zu Blähungen, Bauchschmerzen oder Durchfall führen kann.
In vielen Proteinpuddings wird Laktase zugesetzt, damit der Milchzucker bereits im Produkt aufgespalten wird und besser verträglich ist.
Dadurch enthalten viele Proteinpuddings nur noch sehr wenig Laktose. Ein Produkt darf als laktosefrei bezeichnet werden, wenn es weniger als 0,1 Gramm Laktose pro 100 Gramm enthält.
Warum hat Protein Pudding den Nutri-Score A?
Der Proteinpudding hat den Nutri-Score A. Deshalb wird er von vielen Verbrauchern als gesund wahrgenommen.
Der Nutri-Score bewertet jedoch nur Nährwerte wie Kalorien, Zucker, Fett, Salz und Eiweiß. Wie stark ein Lebensmittel verarbeitet ist oder welche Zusatzstoffe enthalten sind, spielt für den Nutri-Score keine Rolle.
Außerdem wird ein Produkt immer nur mit ähnlichen Produkten verglichen. Ein Proteinpudding wird also mit anderen Desserts und Milchprodukten verglichen. Innerhalb dieser Kategorie hat er gute Nährwerte, deshalb bekommt er ein A.
beeinflusst Protein Pudding den Blutzucker?
Proteinpudding enthält wenig Kohlenhydrate und wenig Zucker. Die eingesetzten Süßstoffe erhöhen den Blutzucker kaum.
Ganz ohne Blutzuckerreaktion bleibt er trotzdem nicht. Durch die zugesetzte Laktase wird ein Teil des Milchzuckers bereits im Produkt in Glukose und Galaktose gespalten. Die Glukose gelangt nach dem Essen ins Blut und erhöht den Blutzucker. Gleichzeitig verlangsamt das enthaltene Eiweiß die Magenentleerung. Dadurch steigt der Blutzucker langsamer an als bei zuckerreichen Desserts.
Proteinpudding führt deshalb zu einem messbaren, aber moderaten Blutzuckeranstieg: weniger als klassischer Schokopudding oder Schokolade, aber stärker, als man wegen des niedrigen Zuckergehalts vermuten würde.
Verträglichkeit und stark verarbeitete Lebensmittel
Zur Verträglichkeit haben wir bei den Verdickungsmitteln und Süßstoffen bereits einiges beschrieben. Proteinpudding enthält mehrere Zusatzstoffe, auf die manche Menschen empfindlich reagieren.
Proteinpudding gehört zu den sogenannten hoch verarbeiteten Lebensmitteln (Ultra-Processed Food, NOVA-Kategorie 4). Dabei werden mehrere industriell hergestellte Bestandteile miteinander kombiniert.
Bei der Zulassung von Zusatzstoffen werden diese Stoffe einzeln geprüft und bewertet. In den zugelassenen Mengen gelten sie als sicher. Was diese Bewertungen jedoch nur begrenzt berücksichtigen, ist die Kombination vieler Zusatzstoffe in einem Produkt und der regelmäßige Konsum solcher Produkte über viele Jahre.
Gleichzeitig nehmen seit einigen Jahrzehnten Erkrankungen wie Übergewicht, Typ-2-Diabetes, Fettleber oder Darmprobleme deutlich zu. Woran das genau liegt, lässt sich nicht auf einen einzelnen Faktor zurückführen. Bewegungsmangel, sehr kalorienreiche Ernährung, stark verarbeitete Lebensmittel, Umweltfaktoren und viele andere Einflüsse spielen hier wahrscheinlich zusammen.
Dieser Artikel bewertet Proteinpudding nicht pauschal als gut oder schlecht. Er beschreibt Zutaten, Herstellung und Wirkung im Körper. Auf dieser Grundlage kann jeder selbst entscheiden, ob er solche Produkte regelmäßig, gelegentlich oder gar nicht essen möchte.
Welche Alternativen gibt es zu Protein Pudding?

| Dessert | Rezept | kcal | Eiweiß | Fett | KH |
|---|---|---|---|---|---|
| Proteinpudding | 1 Becher REWE Proteinpudding Schoko (200 g) | 152 | 20 g | 3 g | 10,2 g |
| Skyr Schoko | 200 g Skyr + 2 EL Rohkakao + 1 TL Dattelsirup + 1 Prise Salz | 190 | 26 g | 3 g | 14 g |
| Griechischer Joghurt Schoko (10 %) | 200 g griechischer Joghurt (10 %) + 2 EL Rohkakao + 1 TL Honig + 1 Prise Zimt | 300 | 16 g | 22 g | 12 g |
| Griechischer Joghurt Schoko (mager) | 200 g griechischer Joghurt (0,2 %) + 2 EL Rohkakao + 1 TL Honig + 1 Prise Zimt | 195 | 22 g | 3 g | 12 g |
| Hüttenkäse Schoko | 200 g Hüttenkäse + 2 EL Rohkakao + 1 TL Honig + 1 Prise Zimt + 1 Prise Salz | 242 | 26 g | 11 g | 12 g |
Alle Desserts bestehen aus wenigen natürlichen Zutaten und können zu Hause selbst zubereitet werden. Der Eiweißgehalt ist ähnlich wie beim Proteinpudding, die Kalorien je nach Zutaten etwas höher.
Quellen
- Proteinpudding: viel Eiweiß, hoch verarbeitet
Zeigt Nährwerte, Zusatzstoffe und Produktversprechen bei Eiweiß-Desserts.
Verbraucherzentrale Niedersachsen - Süßstoffe: Studienlage nicht eindeutig
Kurzbewertung zu Acesulfam K, Sucralose und möglichen Effekten auf Stoffwechsel und Darmflora.
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) - Carrageen
Offizielle Bewertung des Zusatzstoffs E 407.
European Food Safety Authority (EFSA) - Carboxymethylcellulose
Offizielle Bewertung des Zusatzstoffs E 466.
European Food Safety Authority (EFSA) - NOVA: hoch verarbeitete Lebensmittel
Erläutert die Einordnung nach Verarbeitungsgrad.
Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) - Süßstoffe und Gewichtskontrolle
WHO empfiehlt nicht-zuckerhaltige Süßstoffe nicht zur langfristigen Gewichtskontrolle.
World Health Organization (WHO)
