Industrielle Quellen von PFAS: Abwasser, Feuerlöschschaum und Lacke als typische Ursprünge der Ewigkeitschemikalien

PFAS die Ewigkeitschemikalien

Industrielle Quellen von PFAS: Abwasser, Feuerlöschschaum und Lacke als typische Ursprünge der Ewigkeitschemikalien

PFAS steht für „Per- und Polyfluoralkylsubstanzen“. Unter diesem Begriff fasst man mehrere tausend künstliche Stoffe zusammen. Ihr gemeinsames Merkmal ist die chemische Bindung zwischen Kohlenstoff und Fluor – eine der stabilsten Verbindungen, die es gibt. Dadurch sind PFAS wasser- und fettabweisend, hitzebeständig und extrem langlebig. Diese Eigenschaften machten sie für Industrie und Verbraucher attraktiv.

Entwickelt wurden PFAS in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Berühmt wurde vor allem Teflon – eine Verbindung, die seit den 1950er-Jahren für beschichtete Pfannen verwendet wird. Von dort fanden PFAS schnell den Weg in zahlreiche Alltagsprodukte: in wasserabweisende Outdoor-Kleidung, Teppiche, Fast-Food-Verpackungen oder Kosmetika wie wasserfeste Mascara und spezielle Zahnseiden. Auch in der Industrie sind sie weit verbreitet, etwa in Feuerlöschschäumen, Lacken oder Metallbeschichtungen.

Die breite Nutzung hat jedoch ihren Preis. PFAS bauen sich in der Natur kaum ab – daher der Name „Ewigkeitschemikalien“. Einmal freigesetzt, bleiben sie über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte in Böden, Gewässern und Organismen bestehen. Mit der Zeit verteilen sie sich in Luft und Wasser und sind mittlerweile weltweit nachweisbar – vom arktischen Eis bis ins Trinkwasser europäischer Großstädte.

Für den Menschen bedeutet das: PFAS können sich im Körper anreichern. Eine große US-Studie fand die Stoffe im Blut von rund 98 Prozent der Teilnehmenden. Andere Untersuchungen zeigen Zusammenhänge mit Störungen des Hormonhaushalts, Belastungen von Leber und Nieren, einer Schwächung des Immunsystems und einem erhöhten Risiko für bestimmte Krebsarten. Auch wenn nicht alle Substanzen gleich gut erforscht sind, gilt das Grundproblem für die gesamte Stoffklasse. Die Kombination aus weltweiter Verbreitung, fehlendem Abbau und möglichen Gesundheitsrisiken macht PFAS zu einem der drängendsten Umweltprobleme unserer Zeit.

PFAS heute: Aktuelle Situation, EU-Verbote und Ausblick

In den letzten 20 Jahren hat die EU reagiert: Die bekannten Leitstoffe PFOS (seit 2008) und PFOA (seit 2020) wurden verboten oder stark eingeschränkt. Die Industrie antwortete mit neuen Varianten – vor allem kürzerkettigen PFAS wie PFBS oder GenX. Sie sollten sich weniger im Körper anreichern und schneller ausgeschieden werden.

Doch das Problem wurde nur verlagert. Kürzerkettige PFAS sind wasserlöslicher und breiten sich dadurch noch leichter in der Umwelt aus. Sie gelangen schneller in Böden und Grundwasser – und sind dort noch schwerer zu entfernen als ihre Vorgänger. Inzwischen sind auch diese „Ersatzstoffe“ weltweit nachweisbar. Fachleute sprechen deshalb von einem chemischen „Katz-und-Maus-Spiel“ zwischen Regulierung und Industrie.

Die Europäische Union diskutiert derzeit ein umfassendes Verbot ganzer PFAS-Gruppen, um diesen Kreislauf zu durchbrechen. Parallel arbeitet die Forschung an Alternativen für Beschichtungen und wasserabweisende Materialien. Ob diese Ersatzstoffe langfristig wirklich sicher sind, ist offen. In den nächsten Jahren wird sich zeigen, ob PFAS tatsächlich ersetzt werden können – oder ob nur die nächste Generation problematischer Chemikalien entsteht.

PFAS im Alltag: Aufnahmequellen, Risiken und wie man sie meidet

PFAS im Alltag: Belastung durch Hausstaub, Outdoor-Kleidung, Trinkwasser, Teflonpfannen, Kosmetik und Fast-Food-Verpackungen

Pfas im Wasser

Wasser ist eine der wichtigsten Aufnahmequellen für PFAS. Offiziell gilt Leitungswasser in Deutschland als besonders hochwertig. Es wird regelmäßig kontrolliert und zählt zu den strengst überwachten Lebensmitteln überhaupt. Die Wasserwerke prüfen zahlreiche Schadstoffe – darunter auch einige PFAS-Verbindungen.

Kritiker sehen das differenzierter. Die Kontrollen erfassen nur einen kleinen Teil der bekannten PFAS, viele neuere Varianten bleiben außen vor. Deshalb halten Fachleute die Aussage „hohe Qualität“ für zu pauschal.

Eine Studie des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND, 2023/2024) zeigte, dass PFAS in neun von zehn Leitungswasserproben nachweisbar waren – meist Trifluoressigsäure (TFA). Die Konzentrationen lagen zwischen 50 und 1.100 ng/L. Das liegt unter den aktuellen Grenzwerten, zeigt aber, dass PFAS-Belastungen bundesweit verbreitet sind. Lokale Hotspots finden sich unter anderem in Barsinghausen (Niedersachsen), im Raum Rastatt/Baden-Baden und im Rhein-Main-Gebiet.

Mineralwasser ist keine sichere Alternative. In derselben Untersuchung wurden in drei von fünf getesteten Marken – darunter Gerolsteiner und Hassia – PFAS-Spuren gefunden, meist zwischen 50 und 200 ng/L. Mineralwasser wird zwar regelmäßig kontrolliert, unterliegt aber weniger strengen Vorgaben als Leitungswasser.

Für Verbraucher heißt das: Weder Leitungs- noch Mineralwasser bieten absolute Sicherheit. Die gemessenen Werte liegen aktuell unter den gesetzlichen Grenzwerten, gelten also nicht als akut gesundheitsgefährdend. Doch Fachleute diskutieren mögliche Langzeitfolgen – etwa Auswirkungen auf Immunsystem, Leber und Krebsrisiken. Wer mehr wissen möchte, kann sich bei örtlichen Versorgern nach aktuellen Analysen erkundigen. Vollständig vermeiden lässt sich PFAS über die Wasserwahl kaum – entscheidend sind strengere Grenzwerte und umfassendere Tests.

PFAS in Pfannen und Küchenausstattung: Risiken und Alternativen

Antihaftpfannen mit Teflonbeschichtung sind praktisch. Sie verhindern das Ankleben, sparen Öl und lassen sich leicht reinigen. Die Beschichtung enthält jedoch PFAS. Solange die Oberfläche intakt bleibt und die Temperatur unter 250 Grad liegt, gelten sie als unbedenklich. Feine Kratzer oder Abrieb sind aber kaum zu erkennen – und jede Beschichtung verliert mit der Zeit ihre Schutzschicht.

Kritisch wird es, wenn die Pfanne beschädigt ist oder stark erhitzt wird. Ab etwa 260 Grad beginnt Teflon sich zu zersetzen, ab 300 Grad entstehen Fluorverbindungen, die in die Raumluft übergehen. Beim Menschen können sie grippeähnliche Symptome („Polymerfieber“) auslösen, für Vögel sind sie sogar tödlich.

Messungen zeigen: Eine leere Pfanne erreicht auf höchster Stufe in wenigen Minuten über 350 Grad – genug, um Zersetzungsprozesse zu starten. Öl oder Flüssigkeit in der Pfanne puffern die Hitze ab. Daher raten Hersteller und Behörden: Pfannen nie leer stark erhitzen, keine Boost- oder Grillstufe verwenden, keine offenen Flammen unter der leeren Pfanne. Außerdem: kein Metallbesteck, keine Stahlwolle, sondern Holz- oder Silikonwerkzeuge – und die Pfanne austauschen, sobald Kratzer sichtbar sind oder die Antihaftwirkung nachlässt.

Langfristig lohnt sich der Umstieg auf Alternativen. Edelstahl- oder Gusseisenpfannen erfordern etwas Übung, sind aber robust und vielseitig. Auch Keramikpfannen sind eine Option, verlieren jedoch mit der Zeit ihre Antihaftwirkung. Der Umstieg braucht Geduld – bringt aber mehr Sicherheit und ein bewussteres Kocherlebnis.

PFAS in Hausstaub und Innenräumen

PFAS gelangen nicht nur über Wasser und Lebensmittel in den Körper, sondern auch über die Luft und den Staub in Innenräumen. Teppiche, Polstermöbel, Vorhänge oder beschichtete Alltagsprodukte geben kleinste Mengen ab, die sich im Staub anreichern. Dieser gelangt beim Putzen, Spielen oder über die Haut unbemerkt in den Körper.

Messungen zeigen, dass die Konzentrationen in Wohnungen oft höher sind als draußen. Kinder sind besonders betroffen, weil sie näher am Boden spielen und mehr Staub einatmen oder verschlucken. Auch für Erwachsene ist Hausstaub ein relevanter, wenn auch oft unterschätzter Aufnahmeweg.

Die gute Nachricht: Mit einfachen Maßnahmen lässt sich die Belastung deutlich senken. Regelmäßig staubsaugen – am besten mit HEPA-Filter – und feucht wischen hilft sofort. Häufiges Lüften verbessert zusätzlich die Luftqualität. Wer neue Möbel oder Kleidung kauft, sollte auf Bezeichnungen wie „PFC-frei“ achten oder naturbelassene Materialien bevorzugen.

PFAS in Lebensmitteln und Verpackungen: worauf man achten sollte

PFAS werden gezielt eingesetzt, um Lebensmittelverpackungen fett- und wasserabweisend zu machen. Typische Beispiele sind Burger- oder Pommes-Tüten, Pizzakartons, Bäckertüten, Einweg-Pappbecher oder auch beschichtetes Backpapier. Die Chemikalien verhindern, dass Fett durchweicht – mit dem Nebeneffekt, dass sie sich aus der Verpackung lösen und ins Essen übergehen können. Wer häufig zu Fast Food oder verpackten Fertigprodukten greift, erhöht damit unbewusst seine Belastung.

Auch stark verarbeitete Lebensmittel können ein Risiko darstellen, weniger durch den Inhalt selbst als durch den Produktions- und Verpackungsprozess. Je mehr Stationen und Verpackungen ein Produkt durchläuft, desto größer ist die Chance, dass PFAS in Spuren in Kontakt mit dem Essen kommen. Endgültig geklärt ist dieser Zusammenhang in der Forschung zwar noch nicht, aber die Tendenz spricht für frische, unverpackte Lebensmittel als die risikoärmere Wahl.

Im Alltag helfen einfache Schritte: öfter frisch kochen, Obst und Gemüse lose einkaufen und Einwegverpackungen so gut es geht vermeiden. Beim Backen lässt sich beschichtetes Backpapier durch unbeschichtetes Papier ersetzen. Wer es komfortabler möchte, kann wiederverwendbare Silikon-Backmatten nutzen. Diese enthalten kein PFAS, sind langlebig und gesundheitlich bei normalem Gebrauch unproblematisch – wichtig ist lediglich, die empfohlene Maximaltemperatur von etwa 230 bis 250 Grad einzuhalten. Von Antihaftmatten aus Teflon ist dagegen abzuraten, da sie selbst PFAS enthalten.

PFAS in Kosmetik und Kleidung: versteckte Quellen erkennen

Auch in Produkten, die wir täglich direkt auf der Haut tragen, kommen PFAS vor. In der Kosmetik werden sie vor allem in wasserfesten Produkten wie Mascara, Foundations, Lippenstiften oder spezieller Zahnseide eingesetzt. Sie sorgen dafür, dass die Schminke lange hält oder beim Kontakt mit Wasser nicht verwischt. In Körperpflegeprodukten wie Duschgel oder Lotion sind PFAS deutlich seltener, können aber in einzelnen Fällen als Hilfsstoffe vorkommen.

Das Problem: PFAS sind in Kosmetikprodukten meist nicht klar gekennzeichnet. Nur wer gezielt die Inhaltsstoffliste prüft, findet Hinweise wie „PTFE“ oder Bezeichnungen, die auf „-fluor“ enden. Für Verbraucher ist das schwer durchschaubar. Orientierung bieten Naturkosmetik-Siegel – dort sind PFAS ausgeschlossen.

In Textilien spielen PFAS ebenfalls eine Rolle. Besonders häufig sind sie in Outdoor-Jacken, Sportkleidung oder imprägnierten Schuhen und Rucksäcken zu finden. Dort sorgen sie für Wasser- und Schmutzabweisung, können sich aber mit der Zeit abreiben. Ähnlich wie bei Möbeln oder Teppichen lohnt auch bei Kleidung ein Blick auf die Materialangaben. Hinweise wie „PFC-frei“, „ohne Fluorchemie“ oder „biobasierte Imprägnierung“ kennzeichnen Alternativen, die ohne PFAS auskommen. Viele Hersteller setzen inzwischen auf solche Lösungen – etwas weniger stark abweisend, aber gesundheitlich die bessere Wahl.

PFAS einordnen: kein Grund zur Panik – warum Detox nicht hilft

Wer nach Informationen zu PFAS sucht, stößt schnell auf Angebote, die angeblich beim „Entgiften“ helfen sollen – von Säften über Infrarot-Saunen bis zu alternativen Therapien. Doch bisher gibt es keine wissenschaftlich belegte Methode, die PFAS gezielt aus dem Körper entfernt. Eine wirksame „Ausleitung“ ist nach aktuellem Kenntnisstand ein Mythos.

Auch die Medizin kann hier kaum eingreifen. In Ausnahmefällen wurde eine Blutwäsche angewendet – etwa nach Industrieunfällen mit extrem hoher Belastung. Diese Verfahren sind jedoch invasiv, risikoreich und für die Allgemeinbevölkerung ungeeignet.

Trotzdem besteht kein Grund zur Panik. Unsere Umwelt enthält viele langlebige Substanzen – von Mikroplastik bis zu Rückständen aus Landwirtschaft und Industrie – denen wir nicht vollständig entkommen. Niemand wird über Nacht krank, nur weil PFAS im Blut nachweisbar sind. Entscheidend ist nicht Angst, sondern Wissen: Wer versteht, wo PFAS vorkommen und wie man die Belastung reduziert, kann im Alltag viel erreichen.

Der beste Schutz liegt nicht in späterer Entgiftung, sondern in einem stabilen, gesunden Körper. Eine ausgewogene Ernährung, Bewegung, frische Luft und regelmäßiges Krafttraining stärken Leber, Nieren und Immunsystem – also die natürlichen Filter des Körpers. Ist der Organismus dagegen durch Übergewicht, Stress oder chronische Erkrankungen geschwächt, funktioniert dieser Selbstschutz schlechter.

Ein vitaler Körper kann Belastungen besser ausgleichen – und genau das ist der wirksamste Schutz, den wir selbst beeinflussen können.

Quellen

  1. ATSDR (2019). PFAS in the U.S. Population
    – NHANES-Daten zeigen, dass PFAS im Blut von rund 98 % der US-Bevölkerung nachweisbar sind.
  2. United States Environmental Protection Agency (2023). Our Current Understanding of the Human Health and Environmental Risks of PFAS
    – Übersicht der US-Umweltschutzbehörde zu bekannten Gesundheitsrisiken von PFAS, darunter mögliche Auswirkungen auf Hormonsystem, Leber, Nieren, Fruchtbarkeit und Immunsystem.
  3. Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (2024). PFAS im Trinkwasser – Unsichtbare Gefahr aus dem Hahn
    – Bundesweite Untersuchung 2023/2024
  4. Healthline (2019). Is Nonstick Cookware Like Teflon Safe to Use?
    – Laut Healthline gilt beschichtetes Kochgeschirr bis etwa 260 °C als sicher, ab rund 300 °C beginnt Teflon sich zu zersetzen und giftige Dämpfe freizusetzen.
  5. Teflon.de (o.J.). Sicherheit von Teflon™ Antihaftbeschichtungen
    – Herstellerangaben: Kochgeschirr sollte nicht über 260 °C erhitzt werden, da sonst Antihaftwirkung und Beschichtung leiden können.
  6. Singapore Food Agency (2023). Safe Practices for Non-Stick Pans
    – Offizielle Empfehlung: Pfannen nicht leer erhitzen, da sie schnell über 300 °C erreichen und Dämpfe freisetzen können.
  7. Restless Stories (2022). Can we avoid PFAS contamination or reduce it?
    – Analyse: Es gibt keine wissenschaftlich belegten Methoden zur „Detox“ von PFAS, populäre Entgiftungsangebote sind wirkungslos.