Vitamin D ab 40: Wirkung, Mangel, Blutwerte, Sonne und Supplemente

Vitamin D ist derzeit in aller Munde. Kaum ein Supplement wird häufiger empfohlen, kaum eines so kontrovers diskutiert. Sind höhere Blutwerte automatisch besser? Warum unterscheiden sich die Dosierungsempfehlungen? Und braucht man Vitamin K2 wirklich dazu?
Dieser Artikel zeigt, welche Effekte wissenschaftlich gut belegt sind und welche Strategie für Menschen ab 40 sinnvoll und sicher ist.
Was ist Vitamin D eigentlich?
Vitamin D ist streng genommen kein klassisches Vitamin. Ein echtes Vitamin muss vollständig über die Nahrung aufgenommen werden. Vitamin D kann der Körper dagegen selbst herstellen. Genau genommen handelt es sich um einen Hormonvorläufer, der erst im Körper in seine wirksame Form umgewandelt wird.
In der Natur kommt Vitamin D in zwei Hauptformen vor. Vitamin D3 entsteht im menschlichen Körper unter Einfluss von UVB-Strahlung aus dem Sonnenlicht. Es ist außerdem in tierischen Lebensmitteln vorhanden, weil auch Tiere Vitamin D unter Sonnenlicht bilden oder es über ihr Futter aufnehmen. Vitamin D2 entsteht in Pflanzen und Pilzen, wenn diese UVB-Licht ausgesetzt sind. In der Praxis spielt Vitamin D3 die größere Rolle. Es entspricht der körpereigenen Form, hebt den Blutspiegel zuverlässiger an und bleibt im Körper etwas länger verfügbar als Vitamin D2.
Unabhängig davon, ob Vitamin D in der Haut gebildet oder über Nahrung und Präparate aufgenommen wird, ist es zunächst biologisch weitgehend inaktiv. Erst im Körper entsteht daraus der eigentliche Wirkstoff. In einem ersten Schritt wird Vitamin D in der Leber in die Speicherform 25-Hydroxyvitamin D umgewandelt. In einem zweiten Schritt wird diese in der Niere weiterverarbeitet. Dort entsteht die aktive Hormonform, die im Körper gezielt an spezielle Rezeptoren bindet und an biologischen Prozessen beteiligt ist.
Wie wirkt Vitamin D im Körper?
Die zentrale Aufgabe von Vitamin D liegt im Calcium- und Phosphatstoffwechsel. Es steuert, wie effizient Calcium im Darm aufgenommen wird. Außerdem beeinflusst es, wie stabil der Calciumspiegel im Blut bleibt und wie viel davon für Knochen und Muskeln zur Verfügung steht. Auf diese Weise beeinflusst Vitamin D direkt die Mineralisierung der Knochen und die normale Funktion der Muskulatur.
Vitamin-D-Rezeptoren finden sich nicht nur in Knochen und Muskeln, sondern in vielen weiteren Geweben. Sie kommen unter anderem in Immunzellen, im Gehirn, in der Bauchspeicheldrüse, in Blutgefäßen und in verschiedenen inneren Organen vor. Damit ist Vitamin D an einer Vielzahl biologischer Regelkreise beteiligt.
Was Vitamin D nach heutigem Wissensstand leistet
Knochen und Muskeln: gesicherte Wirkung bei Mangel
Am besten untersucht ist die Rolle von Vitamin D im Knochen- und Muskelstoffwechsel. Ein ausgeprägter Mangel führt nachweislich zu Störungen der Knochenmineralisierung und zu einer erhöhten Bruchanfälligkeit. Auch die Muskelkraft kann bei niedrigen Spiegeln abnehmen.
Immunsystem und Infekte: notwendig für normale Abwehrfunktion
Für das Immunsystem ist Vitamin D ebenfalls ein notwendiger Bestandteil einer funktionierenden Abwehr. Immunzellen besitzen eigene Vitamin-D-Rezeptoren, und Vitamin D ist an der Regulation entzündlicher Prozesse sowie an der Bekämpfung von Krankheitserregern beteiligt. Menschen mit sehr niedrigen Vitamin-D-Spiegeln sind in Beobachtungsstudien anfälliger für Atemwegsinfekte.
Stimmung und Psyche: biologisch plausibel, klinisch variabel
Vitamin D ist an neurobiologischen Prozessen beteiligt und beeinflusst unter anderem die Bildung und Regulation von Botenstoffen im Gehirn. Niedrige Vitamin-D-Spiegel gehen in Beobachtungsstudien häufiger mit depressiver Stimmung, erhöhter psychischer Belastung und geringerer Stressresistenz einher.
Interventionsstudien zeigen, dass die Korrektur eines ausgeprägten Mangels depressive Symptome leicht verbessern kann, insbesondere bei leichten Verstimmungen. Bei normalen Blutspiegeln oder bei ausgeprägten depressiven Erkrankungen ist der therapeutische Effekt dagegen gering oder nicht nachweisbar.
Herz, Krebs und Stoffwechsel: große Erwartungen, begrenzte klinische Effekte
Für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Stoffwechselstörungen wird Vitamin D seit vielen Jahren intensiv untersucht. Beobachtungsstudien zeigen häufig, dass Menschen mit niedrigen Vitamin-D-Spiegeln häufiger schwer erkranken und insgesamt ungünstigere Gesundheitsverläufe aufweisen.
In Interventionsstudien führt die Korrektur eines Mangels jedoch nur zu begrenzten Effekten. Für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes lässt sich bislang kein verlässlicher Schutzeffekt nachweisen. Bei Krebserkrankungen zeigen einzelne Studien eine leicht verringerte Sterblichkeit, ohne dass die Erkrankungshäufigkeit eindeutig beeinflusst wird.
Ein gemeinsames Prinzip
Für die meisten Wirkungen von Vitamin D gilt ein ähnliches Grundmuster. Ein ausgeprägter Mangel verschlechtert die Funktion des jeweiligen Systems. Die Korrektur eines Mangels kann diese Funktion teilweise normalisieren und ungünstige Effekte abschwächen.
Liegt der Blutspiegel im ausreichenden Bereich, bringt eine weitere Erhöhung in der Regel keinen zusätzlichen gesundheitlichen Nutzen.
Symptome: Woran du einen Vitamin-D-Mangel erkennen kannst
Ein Vitamin-D-Mangel entwickelt sich meist schleichend und bleibt lange unauffällig. Deutliche Beschwerden treten oft erst auf, wenn der Mangel über längere Zeit besteht.
- Anhaltende Müdigkeit oder deutlich verminderter Antrieb
- Muskelschwäche oder nachlassende körperliche Stabilität
- Muskel- und Knochenschmerzen, besonders im Rücken, in den Beinen oder im Becken
- Häufigere oder länger andauernde Atemwegsinfekte
- Bei stärkerem Mangel auch Gangunsicherheit und erhöhte Sturzneigung
Die Symptome sind unspezifisch. Ob tatsächlich ein Vitamin-D-Mangel vorliegt, lässt sich zuverlässig nur durch eine Blutuntersuchung klären.
Risikogruppen: Wer besonders häufig betroffen ist
Bestimmte Lebensumstände und körperliche Faktoren erhöhen das Risiko deutlich.
- Menschen mit wenig Aufenthalt im Freien, vor allem bei Büroarbeit, Homeoffice oder überwiegend sitzender Tätigkeit
- Personen, die konsequent Sonnenschutz verwenden oder aus beruflichen oder kulturellen Gründen viel Haut bedecken
- Menschen mit dunklerer Haut, da die körpereigene Vitamin-D-Bildung langsamer abläuft
- Übergewichtige, da Vitamin D im Fettgewebe gebunden wird und im Blut weniger verfügbar ist
- Ältere Menschen, bei denen die Vitamin-D-Synthese in der Haut mit zunehmendem Alter abnimmt
- Menschen mit chronischen Darmerkrankungen, Leber- oder Nierenerkrankungen oder nach Magen-Darm-Operationen
- Personen, die bestimmte Medikamente einnehmen, etwa Kortison, Antiepileptika oder einige HIV- und Krebsmedikamente
Ab etwa dem 40. Lebensjahr nehmen mehrere dieser Faktoren häufig gleichzeitig zu. Berufliche Innenraumtätigkeit, weniger Bewegung im Freien, konsequenter Sonnenschutz und eine altersbedingt geringere Hautsynthese führen dazu, dass die körpereigene Versorgung schrittweise abnimmt.
Jahreszeiten, Hauttyp und Alter: Wie die Natur Vitamin D reguliert
In der natürlichen Umgebung war der Mensch täglich im Freien, trug wenig Kleidung und war körperlich aktiv. Die Vitamin-D-Spiegel lagen im Sommer deutlich höher und sanken im Winter spürbar ab. Gleichzeitig wirkten hohe mechanische Belastung der Knochen, viel Bewegung und eine andere Calciumversorgung stabilisierend. Der Organismus war an diesen Jahresrhythmus angepasst.
Die körpereigenen Speicher reichen bei guter Sommerexposition meist für zwei bis vier Monate, in Einzelfällen auch länger. Die niedrigsten Werte werden typischerweise im Spätwinter erreicht. Erst mit zunehmender Sonneneinstrahlung steigen die Spiegel wieder an. Konstante Vitamin-D-Werte über das ganze Jahr sind aus evolutionärer Sicht untypisch.
Auch Hauttyp und Herkunft beeinflussen den sinnvollen Zielbereich. Menschen mit dunklerer Haut bilden Vitamin D langsamer, benötigen aber häufig geringere Blutspiegel für eine stabile Knochen- und Muskelgesundheit. Afrikanischstämmige Bevölkerungsgruppen zeigen trotz niedrigerer 25(OH)D-Werte oft eine gute Knochendichte und ein geringes Frakturrisiko. Einheitliche Zielwerte für alle Hauttypen sind daher nur eingeschränkt biologisch sinnvoll.
Mit zunehmendem Alter nimmt die Vitamin-D-Bildung in der Haut deutlich ab. Diese Abnahme ist Teil der natürlichen Regulation. Im höheren Lebensalter sinkt der Bedarf an hoher Vitamin-D-Aktivität, während gleichzeitig der Schutz vor UV-bedingten Hautschäden wichtiger wird. Sehr hohe Zielwerte sind im Alter biologisch nicht zwingend vorgesehen und werden in spezialisierten Fachbereichen zunehmend zurückhaltender bewertet.
Für die Praxis bedeutet das: Nicht jeder Mensch benötigt denselben Blutbereich. Jahreszeit, Hauttyp, Alter und individuelle Risikofaktoren sollten bei der Beurteilung der Versorgung immer mit berücksichtigt werden.
Welche Blutwerte sinnvoll sind und was wirklich als Mangel gilt
Zur Beurteilung der Vitamin-D-Versorgung wird fast immer die Speicherform 25-Hydroxyvitamin D im Blut gemessen. Dieser Wert spiegelt wider, wie gut die körpereigenen Vorräte gefüllt sind. Er sagt jedoch noch nichts darüber aus, wie viel aktives Vitamin D im Gewebe tatsächlich zur Verfügung steht.
Die aktive Hormonform entsteht erst in einem zweiten Schritt vor allem in der Niere. Störungen dieser Umwandlung, etwa bei Nierenerkrankungen oder im höheren Alter, können dazu führen, dass trotz normaler Blutwerte weniger wirksames Vitamin D gebildet wird. Umgekehrt können niedrige Speicherwerte bei guter Umwandlung funktionell ausreichend sein. Der gemessene Blutwert ist daher ein Näherungswert, keine exakte Funktionsmessung.
In der klinischen Praxis haben sich dennoch bestimmte Orientierungsbereiche etabliert:
- < 30 nmol/l (< 12 ng/ml): klarer Mangel mit erhöhtem Risiko für Knochen- und Muskelprobleme
- 30–50 nmol/l (12–20 ng/ml): unterer Versorgungsbereich, im Winter häufig
- ≥ 50 nmol/l (≥ 20 ng/ml): ausreichend für die Knochengesundheit bei den meisten Erwachsenen
- 75–100 nmol/l (30–40 ng/ml): guter Bereich, meist ohne zusätzlichen Nutzen gegenüber 50–75 nmol/l
Diese Grenzwerte gelten in den meisten Leitlinien einheitlich für alle Erwachsenen. Biologisch ist diese Vereinfachung jedoch nur eingeschränkt sinnvoll, wie die natürlichen Unterschiede in Jahreszeit, Hauttyp und Alter zeigen. Statt eines starren Zielwerts ist daher eine Einordnung im Kontext individueller Risikofaktoren und Begleiterkrankungen sinnvoll.
Für die Praxis bedeutet das: Ein echter Mangel liegt in der Regel erst unter 30 nmol/l vor. Werte zwischen 40 und 60 nmol/l sind für die meisten Menschen ausreichend, besonders im Winterhalbjahr. Höhere Zielbereiche sind individuell möglich, aber nicht grundsätzlich notwendig.
Wie zuverlässig ist der Test und wann Testen sinnvoll ist
Zur Bestimmung der Vitamin-D-Versorgung wird in der Regel eine Blutprobe aus der Vene entnommen. Gemessen wird die Speicherform 25-Hydroxyvitamin D. Diese Messung ist für die Praxis gut geeignet, aber nicht vollkommen exakt.
Je nach Labor und eingesetzter Messmethode können Abweichungen von etwa zehn bis zwanzig Prozent auftreten. Besonders im Grenzbereich zwischen „ausreichend“ und „suboptimal“ kann derselbe Patient in unterschiedlichen Laboren leicht unterschiedliche Ergebnisse erhalten. Für Verlaufskontrollen ist es deshalb sinnvoll, möglichst immer dasselbe Labor zu nutzen.
Selbsttests aus Apotheke oder Internet liefern meist nur grobe Orientierungswerte. Für eine exakte Steuerung der Supplementierung sind sie nur eingeschränkt geeignet.
Sinnvoll ist eine Blutuntersuchung vor allem in folgenden Situationen:
- bei Zugehörigkeit zu einer der oben genannten Risikogruppen
- vor Beginn einer längerfristigen Supplementierung mit höheren Dosen
- zur Kontrolle nach etwa acht bis zwölf Wochen bei neu begonnener Einnahme
- bei bekannten Nieren-, Leber- oder Darmerkrankungen
Für gesunde Erwachsene ohne diese Risikofaktoren ist eine routinemäßige regelmäßige Testung in der Regel nicht erforderlich. In diesen Fällen reicht oft eine pragmatische Einschätzung anhand von Lebensstil und Sonnenexposition aus.
Bei bekannten Nierenerkrankungen oder Störungen des Calciumstoffwechsels kann zusätzlich das Parathormon oder die aktive Hormonform mitbestimmt werden. Hier entscheidet nicht allein der Vitamin-D-Wert, sondern das Zusammenspiel mehrerer Laborparameter über die richtige Therapie.
Für die Praxis gilt: Ein einzelner Messwert liefert eine Momentaufnahme. Erst der zeitliche Verlauf und der klinische Kontext erlauben eine sinnvolle Beurteilung der Versorgung.
Wie kann man Vitamin D aufnehmen?
1) Vitamin D Über Sonnenlicht: viel am Anfang, dann Sättigung
Der wichtigste natürliche Weg für Vitamin D ist die körpereigene Bildung in der Haut. Dafür braucht es UVB-Strahlung. Der Prozess ist effektiv, aber nicht unbegrenzt. Nach einer gewissen UVB-Dosis flacht die Bildung ab, weil Vorstufen und auch Vitamin D selbst durch weiteres UVB in andere Stoffe umgewandelt werden. Der Großteil entsteht in den ersten 10–30 Minuten. Drei Stunden Sonne erhöhen deshalb vor allem das Risiko, aber nicht automatisch den Vitamin-D-Ertrag.
Wie viel Vitamin D dabei entsteht, lässt sich nicht exakt in I.E. angeben. UV-Index, Wolken, Breitengrad, Hauttyp und die tatsächlich freie Hautfläche verändern das Ergebnis stark. Als grobe Orientierung wird deshalb oft die Holick-Faustregel verwendet: Eine UV-Dosis von etwa einem Viertel der Minimalrötung (¼ MED) auf ungefähr einem Viertel der Körperoberfläche entspricht grob rund 1.000 I.E. Vitamin D3. „¼ MED“ meint dabei nicht eine feste Zeit, sondern eine Hautreaktion: deutlich unterhalb einer leichten Rötung. Zum Vergleich: Eine Ganzkörper-Exposition nahe an einer Minimalrötung (1 MED) wird häufig mit etwa 10.000–25.000 I.E. in Verbindung gebracht.
In der Praxis wird diese Größenordnung bei heller bis mittlerer Haut im Sommer oft innerhalb von etwa 10–30 Minuten erreicht, je nach UV-Index und freier Hautfläche. Das passt gut zur BfR-Orientierung, mehrmals pro Woche kurze, regelmäßige Zeiten zu nutzen (ca. 5–25 Minuten mit Gesicht/Händen/Armen, je nach Hauttyp und Jahreszeit) und Sonnenbrand zu vermeiden. Es geht nicht um eine bestimmte Minutenanzahl. Entscheidend ist die Dosis, die photochemische Reaktion startet, sobald UVB auf die Haut trifft.
Sonnencreme und Vitamin D
Sonnencreme reduziert die UVB-Strahlung, die die Haut erreicht, und damit die Vitamin-D-Synthese klar und messbar. Ein Lichtschutzfaktor von 15 reduziert die UVB-Strahlung um rund 93 Prozent, ein Lichtschutzfaktor von 30 um etwa 97 Prozent, ein Lichtschutzfaktor von 50 um etwa 98 Prozent. Wird Sonnencreme korrekt, großzügig und gleichmäßig aufgetragen, ist die Vitamin-D-Bildung über die Haut in diesen Bereichen sehr stark eingeschränkt.
Gleichzeitig hat Sonnencreme eine klare und wichtige Funktion. Sie schützt vor Sonnenbrand, vor akuten Hautschäden und langfristig vor einem erhöhten Hautkrebsrisiko. Dieser Schutz ist medizinisch relativ unstrittig und besonders bei längerer oder intensiver Sonnenexposition sinnvoll und notwendig.
Die praktische Frage lautet: Wie lässt sich Sonne so nutzen, dass Vitamin D gebildet wird, ohne das Sonnenbrandrisiko unnötig zu erhöhen?
Besonders sinnvoll ist ein langsamer Einstieg im Frühjahr. Ab März oder April kann die Haut durch kurze, regelmäßige Sonnenexposition schrittweise an höhere UV-Belastung gewöhnt werden. Diese Anpassung reduziert das Sonnenbrandrisiko und nutzt gleichzeitig den natürlichen Jahresrhythmus der Vitamin-D-Bildung. Mit zunehmender Gewöhnung werden längere Aufenthalte deutlich besser vertragen.
2) Vitamin D Über Lebensmittel: überraschend machbar, aber nicht „alltäglich“
Vitamin D ist in nur wenigen Lebensmitteln wirklich relevant enthalten. Die Werte schwanken (z. B. je nach Fischart, Zucht/Wild, Jahreszeit).
| Lebensmittel (Portion) | Vitamin D (µg) | entspricht ca. (I.E.) |
|---|---|---|
| Lachs (150 g) | 24,0 | 960 |
| Hering (100 g) | 7,8–25,0 | 312–1000 |
| Eier, ganz (3 Stück) | ca. 3,0 | ca. 120 |
| Rindfleisch (200 g) | ca. 0,8 | ca. 32 |
| UV-bestrahlte Champignons (100 g) | 20,0 | 800 |
Hinweis: Normale Champignons liegen typischerweise nur bei etwa 1,9–2,0 µg pro 100 g (≈ 76–80 I.E.).
Die Pointe: Fisch liefert nicht nur Omega-3-Fettsäuren, sondern gehört auch zu den wenigen Lebensmitteln mit nennenswertem Vitamin-D-Gehalt. Mit Lachs oder Hering lassen sich daher Mengen erreichen, die viele sonst nur über Sonne oder Supplemente erzielen.
3) Vitamin D Über Supplemente: sinnvoll dosieren

Bei Vitamin-D-Präparaten ist es sinnvoll, drei Ebenen zu unterscheiden: Alltag, Sicherheitsgrenze und Therapie bei echtem Mangel.
Für den Alltag liegen viele Produkte bei 800 bis 1000 I.E. pro Tag (20 bis 25 µg). Diese Mengen dienen der Ergänzung, wenn die körpereigene Bildung über Sonne nicht ausreicht. In Deutschland empfiehlt das BfR für Nahrungsergänzungsmittel eine maximale Tagesmenge von 20 µg (800 I.E.) pro Tagesportion.
Davon zu unterscheiden ist die Sicherheitsobergrenze. Die EFSA, die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, nennt für Erwachsene 4000 I.E. pro Tag (100 µg) als tolerierbare Obergrenze. Das ist kein Zielwert, sondern eine Grenze. Oberhalb dieser Menge steigt das Risiko für unerwünschte Wirkungen.
Bei nachgewiesenem Mangel werden in der ärztlichen Praxis teils Behandlungsdosen eingesetzt, zum Beispiel 20.000 I.E. als Wochenkapsel. Das entspricht im Durchschnitt etwa 2850 I.E. pro Tag. Solche Dosierungen dienen der Mangelbehandlung und sind nicht als Dauerlösung für den Alltag gedacht.
Praktische Punkte zur Einnahme
- Vitamin D ist fettlöslich. Ohne Fett wird es schlechter aufgenommen. Deshalb sollte es zu einer normalen Mahlzeit eingenommen werden und nicht nüchtern.
- Die Tageszeit spielt eine untergeordnete Rolle. Entscheidend ist eine regelmäßige Einnahme.
- Der Blutwert verändert sich verzögert. Eine Kontrolle ist in der Regel erst nach 8 bis 12 Wochen sinnvoll.
Vitamin-D-Überdosierung
Eine Überdosierung entsteht praktisch ausschließlich durch zu hohe Mengen aus Supplementen. Sonne und normale Lebensmittel führen nicht zu toxischen Vitamin-D-Spiegeln.
Hohe Vitamin-D-Mengen erhöhen die Calciumaufnahme und können den Calciumspiegel im Blut und im Urin ansteigen lassen. In der Medizin spricht man von Hyperkalzämie beziehungsweise Hyperkalziurie. Das kann die Nieren belasten und langfristig die Bildung von Ablagerungen in Gefäßen und Organen begünstigen. Deshalb wird vor dauerhaft hohen Dosen und vor sehr großen Einzeldosen ohne medizinischen Anlass gewarnt.
Besonders vorsichtig sollten Menschen mit Nierenerkrankungen, Neigung zu erhöhten Calciumwerten, bestimmten entzündlichen Erkrankungen wie Sarkoidose oder unter bestimmten Medikamenten sein. In diesen Fällen sollte eine Supplementierung ärztlich abgestimmt werden.
Vitamin K2: warum es oft kombiniert wird und was man dazu wissen sollte
Vitamin K2 kommt vor allem in fermentierten Lebensmitteln und einigen tierischen Produkten vor. Es wird häufig zusammen mit Vitamin D angeboten, weil beide über den Calciumstoffwechsel miteinander verknüpft sind. Vitamin D erhöht die Calciumaufnahme aus dem Darm. Vitamin K ist an der Aktivierung bestimmter Proteine beteiligt, die Calcium im Körper binden und verteilen. Daraus ergibt sich die Idee, beide Stoffe gemeinsam einzunehmen.
Ob sich daraus bei gesunden Menschen ein klarer zusätzlicher Nutzen für Knochen oder Gefäße ergibt, ist bisher nicht eindeutig belegt. Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen, abhängig von untersuchter Personengruppe, Dosierung und Zielgröße.
Für die Praxis heißt das:
- Vitamin K2 ist keine notwendige Ergänzung zu Vitamin D, auch bei höher dosierten ärztlichen Therapieschemata ist es nicht enthalten
- Menschen, die Vitamin-K-abhängige Blutverdünner wie Warfarin einnehmen, sollten K-Präparate nur nach ärztlicher Rücksprache verwenden.
- Kombipräparate sind häufig eine Frage der Bequemlichkeit und des Marketings, nicht zwingend der medizinischen Notwendigkeit.
Quellen
- Referenzwert und Risikogruppen für Vitamin D
Die Quelle definiert den Referenzwert von 20 µg (800 I.E.) pro Tag bei fehlender Eigenbildung und beschreibt typische Risikogruppen wie ältere Menschen, Personen mit wenig Sonnenexposition oder dunklerer Haut. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) - Vitamin-D-Grenzwerte und Versorgungslage in Deutschland
Die Publikation belegt die im Artikel verwendete Einteilung der 25(OH)D-Serumwerte (<30 / 30–<50 / ≥50 nmol/l) und zeigt die deutlichen saisonalen Schwankungen sowie die Häufigkeit von Unterversorgung in Deutschland. Robert Koch-Institut – Journal of Health Monitoring - Risiken hoher Bolusgaben und Bewertung von Vitamin D + K2
Die Stellungnahme bewertet hoch dosierte Einzelgaben von Vitamin D und zeigt mögliche Risiken bei Serumwerten über 100 nmol/l auf. Zudem wird die Kombination mit Vitamin K2 als unzureichend untersucht eingeordnet und vor Einnahmefehlern bei Bolusprodukten gewarnt. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine ärztliche Diagnostik, individuelle Beratung oder Therapieentscheidung.
